Friday, March 11, 2011

Leben, Leiden und Asatrú

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übersetzt von Erin Banks

Unabhängig von Glaubenssystemen ist Leiden ein Problem, mit dem wir tagtäglich konfrontiert sind. Ob es nun persönlich ist oder das Leiden anderer, die Frage des „Warums“ ist eine universelle. Jedes System hat seine eigene Art, die Ursachen menschlichen Leidens zu erklären. In der vedischen Kosmologie ist das Karma, die Resultate des eigenen Handelns in diesem oder früheren Leben, der Grund hierfür. In den abrahamischen Religionen wird alles Leiden auf die ein oder andere Weise dem Willen Gottes zugeschrieben. Sogar die Präsenz einer widersacherischen Figur in diesen Systemen ist letztendlich Gottes Wille. Asatrú hat seine eigene Auffassung von menschlichem Leiden und den Herausforderungen des Lebens, die genauso einzigartig sind, wie jede andere. 
 
Um die Natur des Leidens im Asatrú zu verstehen, muß man zuerst die Fundamente germanisch-heidnischen Glaubens verstehen. In den germanischen Weisheitsüberlieferungen der Götter, haben diese – im Gegensatz zu den abrahamischen Traditionen – keine absolute Macht über das Universum. Die Asen und die Vanen sind nur zwei der mächtigen Stämme, die in den Gefilden des Weltenbaums leben. Die am mächtigsten, und den Göttern nächsten, sind die Riesen, im Altnordischen auch bekannt als Jötnar oder Jöten. Die Jöten sind die uralten Gegner der Götter. Ihre Rivalität und Konflikte mit den Göttern gehen auf den Mord Ymirs durch Odin, Vili and Ve zurück, wie es in der Völuspa geschrieben steht. Im Ragnarök werden sie die Hauptgegener der götter sein, welche durch Surt, den Feuerriesen, geführt werden. Trotz dieser langlebigen Rivalität der Götter und Riesen, respektieren sie die Heiligkeit der Gastfreundschaft und viele der Götter haben RiesInnen geheiratet und mir ihren riesischen EhegatInnen Kinder gezeugt. Spirituell gesehen sind sie verantwortlich für die schlimmsten Tragödien, welche die Menschheit befallen, wie bespielsweise Erdbeben, Hurrikanes, Hungersnöte und andere Naturkatastrophen. 
 
Am Fuße des Weltenbaums verweilen die mysteriösen Nornen. Die Nornen sind die einzigen im Universum, die alle Geheimnisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft kennen. Während sie selbst Jöten sind, sind sie doch auch eine unabhängige Gruppe für sich. So wie die Drei Schicksalsgöttinnen in den hellenistischen Weisheitsüberlieferungen haben die Nornen das letzte Wort bezüglich des Schicksals jedes einzelnen. Sie bewässern oder „gießen“ den Weltenbaum und kümmern sich um den Brunnen des Wyrd. Sie halten Distanz zu allen und allem und ihr die Gründe für ihr Einmischen in die Geschicke anderer kennen sie allein. 
 
Es gibt noch andere/s im Universum als die großen Mächte. Asatrú ist recht animistisch in seinem Verständnis der natürlichen Welt. Eine Vielzahl an Elfen, Naturgeistern, Zwergen und Geschöpfen sind heimisch in Midgard. In führeren Tagen waren diese Land- oder Naturgeister die Hauptempfänger von Gaben vorchristlicher geramnischer Stämme. Diese Geister haben weniger Macht, jedoch mehr Auswirkungen im alltäglichen Leben. Ähnlich dieser Geister sind die Thursen besser bekannt als die Trolle. Diese sind auf Menschen bezogen bösartige Geister. Wie andere animistische Geister sind die Vaetten (Natur- und Landgeister) und Thursen den Naturgewalten zugehörig und bewohnen Midgard.
Zusammen mit dem Wyrd und dem persönlichen Orlog ist die germanische Kosmologie recht bewegt. Die Götter sind die mächtigsten Wesen sofern es die Menschheit betrifft, doch die Vaetten und Thursen dürfen nicht unterschätzt werden. Die Kosmologie des Asatrú ist eine mit sehr aktiven Kräften, große und kleine beeinflussen das tägliche Leben. Wie sie auf das Leben jedes einzelnen Einfluß nehmen, kommt darauf an, wer sich wie verhält. Es stellt auch nicht die Menschheit von ihrem Handeln frei. In keiner der überlieferten Weisheiten werden Individuen oder Gruppen von ihrem Handeln freigestellt. Jeder einzelne ist seine Taten. Menschliches Handeln treibt das Handeln der Gruppe in vieler der späteren Heldenepen mit ihren Streitereien, Kämpfen bezüglich Erbschaften und Landfragen in Krieg und Schlachten. Wenn man eine Welt hat, die so geschäftig und komplex ist wie diese, ist es nicht schwierig zu erkennen, warum es Leiden in der Welt gibt. Mit derartig vielen Mächten und Persönlichkeiten, die von göttlichen oder riesischen Taten zum Handeln anderer Menschen reichen, kann eine ganze Anzahl von Dingen passieren, gute und schlechte. 
 
Dies soll nicht bedeuten, daß das Universum ein kalter, gleichgültiger Ort ist, an dem die Menschheit von der Gnade größerer Mächte abhängig ist. Die Götter, Thor im besonderen, bekämpfen die Riesen, um sie aus Midgard fernzuhalten. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, auf welche Art und Weise Menschen kämpfen können, die Mächte Midgards sogar verzaubern oder bestechen können, so wie Eisen oder einen Thorshammer zu benutzen, um Thursen fernzuhalten. Im germanisch-heidnischen Verständnis des Lebens gibt es viele Arten, wie das Schicksal zuschlagen kann. Ironischerweise für eine Welt mit derartig viel Kuddelmuddel ist die Antwort auf die Frage nach Leiden wunderbar in seiner Einfachheit: Stelle Dich dem Problem und löse es. Unabhängig davon, ob es Arbeitslosigkeit, ein Hurrikane oder Ungerechtigkeit ist, zeigt die überlieferte Weisheit stetig wie sich Helden und Götter den Ursachen ihrer Probleme stellen. Thor kämpft regelmäßig mit den Riesen, um sie aus Asgard und Midgard fernzuhalten. Beowulf flüchtete nicht vor den Monstern, die ihn plagten und sogar im hohen Alter noch zögerte er nicht, den Drachen zu besiegen, der Götland heimsuchte. Die Taten unserer Vorfahren sind sich alle gleich. In der Kühnheit Hermann des Cheruskers (auch bekannt als Arminius), der die drei großen römischen Legionen besiegt, Leif Eriksons Entdeckungsfahrt nach Neufundland und den Kriegen gegen das römische Reich in der vorchristlichen Zeit, wichen die Germanen niemals vor Schwierigkeiten davon. Dies taten sie allerdings nicht immer durch kämpferische Kraft. Genauso wie Sigurd den Witz besaß, Fafnir eine Falle zu stellen und Odin sich seinen Weg zum Dichtermet zauberte, liegt ein direkter Ansatz zur Problemlösung nicht immer im körperlichen Kampf, Angriff oder dadurch, das offensichtliche zu tun. Götter, Helden und Menschen vermeiden den Kampf nicht und halten die andere Wange hin; sie stellen sich allem direkt und pragmatisch, egal, worum es sich handelt.

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